Brauchen wir 190 Mio Jodtabletten?

Brauchen wir 190 Millionen Jodtabletten?



DIE WEBSITE NICHT NUR FÜR JODALLERGIKER

Deutsche SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow- und Hyperthyreosekranken:

Sie befinden sich auf der Website von "Deutsche SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow- und Hyperthyreosekranken", Trier.

www.jod-kritik.de ist die Website über die heimliche Zwangsjodierung unserer Lebensmittel.

Diese Website dient der Information für Menschen mit Jodallergie, Jodunverträglichkeit, Morbus Basedow, Morbus Hashimoto, Über- und Unterfunktion der Schilddrüse, Kalten und Heißen Knoten, Schilddrüsenkrebs und einer Vielzahl jodinduzierter Erkrannkungen an anderen Organen.

Alle hier genannten Fakten sind wissenschaftlich belegt.
Einzelne Nachfragen können in der medizinischen Fachliteratur - s. Literaturnachweis - nachgelesen werden.

Alle Angaben über die gegenwärtige Lebensmittelsituation sind ohne Gewähr, da sich Herstellungsweise und Zutaten der Lebensmittel jederzeit ändern können. Deshalb muß die Deklaration immer wieder daraufhin kontrolliert werden, ob sich an ihrer Zusammensetzung eventuell etwas geändert hat.

Copyright by Dagmar Braunschweig-Pauli M.A., Sprecheriin und Mit-Gründerin der Deutschen SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow- und Hyperthyreosekranken in Trier.



Brauchen wir 190 Millionen Jod-Tabletten? – Jodsalzprophylaxe als Jodsättigung für Super-Gau gedacht?


Anfang August 2019 hat das Bundesamt für Strahlenschutz rund 190 Millionen Jodtabletten bestellt.“ (Zitat aus der Online-Wiedergabe der Tagesschau unter: https://www.tagesschau.de/inland/jod-tabletten-101.html, 22.08.2019)

Mit diesem gigantischen Jodtablettenvorrat für „ 8,4 Millionen Euro netto“ (Zitat aus s. o.) will man im Katastrophenfall, also im Falle eines Super-Gaus, die Bevölkerung – mit Ausnahme der über 45-Jährigen - ausreichend mit Jod-Tabletten für eine sogenannte „Jodblockade“ der Schilddrüse versorgen können.

Viele Jodgeschädigte, Menschen mit jodinduzierten Autoimmunerkrankungen Morbus Basedow und Morbus Hashimoto, Überfunktion, Heißen Knoten, Jodallergie und Jodkrebs haben deshalb bei der Deutschen SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow- und Hyperthyreosekranken nachgefragt, was es mit diesem Jodtablettenkauf auf sich habe und wie sie sich im Falle eines Super-Gaus verhalten könnten.

Hochdosierte Jod-Tabletten werden spätestens seit in Kraft treten der Atomenergie als sichere Schutzmaßnahme gegen die atomare Strahlung bei einem Super-Gau angesehen.

Das stimmt so aber nicht. „Jodtabletten schützen nicht gegen Strahlung von außerhalb des Körpers oder gegen andere radioaktive Stoffe als Jod“. (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz“, a. a..O., S. 159) Und „Gegen die Aufnahme anderer radioaktiver Stoffe in den Körper oder gegen Bestrahlung des Körpers von außen schützen Jodtabletten nicht.“ (a.a.O., S. 156)

Jod-Tabletten sollen also nur dieses eine Organ, die Schilddrüse, vor der Aufnahme von radioaktivem Jod zum Teil – nicht ganz! - schützen, um eine spätere Entstehung von Schilddrüsenkrebs vielleicht zu verhindern. Der übrige Körper bleibt nach wie vor ungeschützt gegenüber radioaktivenm Jod und andere radioaktive Stoffe, die bei einem Super-Gau ebenfalls frei werden. Das heißt im Klartext: Durch die hohe atomare Strahlung nach einem Super-Gau wird der gesamte Körper verstrahlt, was unweigerlich zum Tode führen muß, egal, ob die Schilddrüse durch eine hohe Jodaufnahme vor der Strahlung mit radioaktivem Jod geschützt ist oder nicht.
Als Lebensrettungsmaßnahme ist die sogenannte „Jodblockade“ bei einem Reaktorunfall nach Stand der Forschung bis jetzt eher ungeeignet. Nach Aussagen von Wissenschaftlern - s. u.a. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für den Katastrophenschutz“ – ist die Jodblockade nur eingeschränkt wirksam. Ein vollständiger Strahlenschutz wird von der Jodblockade nicht geleistet. Nach einer Verstrahlung stirbt man, mit Jodblockade stirbt man auch, aber mit einer vielleicht weitgehend vor radioaktivem Jod geschützten Schilddrüse.
Es gibt bis jetzt keinen wissenschaftlichen Nachweis für einen gesicherten Schutz vor radioaktiver Strahlung und der Freisetzung giftiger Substanzen durch einen Super-Gau.

Abgesehen davon, daß die Jodblockade der Schilddrüse mit Jod-Tabletten in dem Umfang, wie sie von der Bevölkerung meist wahrgenommen wird eher zwecklos ist, ist sie aus gesundheitlichen Gründen auch nicht für jeden Bürger geeignet. Menschen mit bekannter oder unbekannter Jodallergie und Schilddrüsenerkrankungen, bei denen es durch eine hohe Jodzufuhr zu einem krisenhaften Zustand, genannt „thyreotoxische Krise“, kommen kann, wie z.B. bei Überfunktion, Morbus Basedow, sogenannten Heißen Knoten und latenter Hyperthyreose, dürfen keinesfalls an der Jodblockade teilnehmen. Das Risiko, durch die große Jodmenge infolge der Jodblockade in die tödlich verlaufende thyreotoxische Krise zu fallen ist größer als das eventuelle Strahlenrisiko.
Laut Prof. Dr. Peter Pfannenstiel verläuft die thyreotoxische Krise zu über 50 % tödlich. Pfannenstiel schätzt die Dunkelziffer der tödlich verlaufenden thyreotoxischen Krisen als hoch ein.

Unabhängig von den bereits genannten krankheitsbedingten Hindernissen für die Einnahme von hochdosierten Jod-Tabletten im Katastrophenfall sind – laut Handbuch für d. Katastrophenschutz - alle Menschen über 45 ebenfalls von der Katastrophenmaßnahme durch Jodtabletten ausgeschlossen. Auch hier wird oft als Grund

dafür die größere Gefahr einer jodinduzierten tödlichen Krise bei Menschen über 45 angegeben, da viele von ihnen an einer latenten Überfunktion der Schilddrüse leiden. Zwar ist diese oft noch nicht als manifeste Krankheit diagnostiziert worden, aber das Risiko einer tödlich verlaufenden thyreotoxischen Krise auch bei latenter Hyperthyreose ist den Verantwortlichen für den Katastrophenschutz zu groß.

Die schwerwiegenden Kontraindikationen, Unverträglichkeiten und Risiken der Jodblockade der Schilddrüse, die unbedingt beachtet werden müssen, und die die Einnahme von Jod-Tabletten im Falle eines Super-Gaus absolut verbieten, werden hier aus dem erwähnten „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, Hrsg. Ärztekammer Niedersachsen, Berliner Allee 20, 3000 Hannover 1, (a.a.O., S.164) wie folgt zitiert:

Zitat: Unverträglichkeiten und Risiken:
Überempfindlichkeit gegenüber Jod: Personen mit echter Jodüberempfindlichkeit dürfen keine Jodtabletten einnehmen.“ (s. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 156)
Zitat: „Echte Kontraindikationen sind: „a) Dermatitis herpetiformis Duhring (selten; durch Jod pemphigusartiges Bild verstärkt, Magen-Darm-Erscheinungen treten häufig auf),
b) echte Jodallergie (…)
c) große Strumen mit beträchtlicher Einengung der Trachea;
d) unbehandelte autonome Adenome der Schilddrüse.

Die Patienten mit den beiden erstgenannten Krankheitsbildern sind im allgemeinen den betreffenden Hausärzten bekannt. Sie sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich nicht an der Jodprophylaxe beteiligen dürfen.
Da das Ausmaß der Reaktionen im Einzelfall nicht vorhersehbar ist, muß das langfristige und unbestimmte Risiko einer Strahleneinwirkung auf die Schilddrüse als geringer eingeschätzt werden als die sofortigen und möglicherweisen schweren Folgen einer allergischen Reaktion.
Durch die Gabe von hohen Jodmengen kann eine Größenzunahme der Schilddrüse verursacht werden, die eine bereits bestehende höhergradige Trachealstenose“ (=
„Einengung der Luftröhre“, s. Pschyrembel, 259. Aufl., 2002, S. 1675, Anm. d. Aut.) “verschlimmert.
Bei unbehandelten autonomen Adenomen besteht die Gefahr der Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, schlimmstenfalls der Provozierung einer thyreotoxischen Krise“ (= krisenhafte Situation, über 50% tödl. Verlauf, Anm. d. Aut.). „Daher sollten auch diese Personen keine Jodtabletten einnehmen. (…)(s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 164) Zitat Ende.

Jodblockade bei Schwangeren und Stillenden

Zitat:
„Embryonen nehmen frühestens ab der 13. Schwangerschaftswoche Jod in der Schilddrüse auf. Ab dem 6. Bis 9. Monat ist die Jodspeicherung in der fetalen Schilddrüse erheblich. Damit ist auch die Notwendigkeit einer Blockade der Schilddrüse des älteren Feten gegeben … Die empfindliche embryonale Schilddrüse kann gelegentlich einen Jodkropf mit Hypothyreose bilden. …“. (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 161) Zitat Ende.

Zitat: „ Jodallergie:
In seltenen Fällen kann eine nicht bekannte Jodallergie bei Einnahme von Jodtabletten erstmals manifest werden. Dabei können allgemeine allergische Erscheinungen und zusätzlich infolge vermehrter Schleimhautsekretionen Jucken
und Brennen in den Augen, „Jodschnupfen“, Reizhusten, Durchfälle, Kopfschmerzen infolge Sinusitis u. ä. Symptome auftreten. Besonders bei vorbestehender Dermatitis herpetiformis Duhring sind lebensbedrohliche Reaktionen möglich, …“ (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 166) Zitat Ende.

Auch im „arznei-telegramm“ 2/91 wird nachdrücklich vor den, Zitat „Risiken der breit gestreuten hochdosierten Jodprophylaxe in Katastrophenfällen“ gewarnt. Sie seien „kaum überschaubar, da Erfahrungen fehlen. Es muß gewährleistet sein, daß Personen mit Jodüberempfindlichkeit oder Schilddrüsenerkrankungen sowie Dermatitis herpetiformis DUHRING von der Hochdosisprophylaxe ausgeschlossen werden.“ Zitat Ende.

Das Fazit dieses arznei-telegramms ist, Zitat: „Durch rechtzeitige Blockade der Schilddrüse mit Jodid läßt sich bei Reaktorunfällen die Einlagerung von Radiojod in die Schilddrüse vermindern. …Welche Bedeutung

in einer solchen Situation dem isolierten Schutz der Schilddrüse zukommt, läßt sich schwer abschätzen. Die hochdosierte Jodprophylaxe kann zwar die Schilddrüse vor Strahlenschäden bewahren, ist aber kein universell wirksamer Strahlenschutz. Im Ernstfall kann die Prophylaxe ein trügerisches Sicherheitsgefühl hervorrufen.“ Zitat Ende

Jodierung der Leben- und Futtermittel - Dauer- Katastrophenschutzmaßnahme?

In eine ganz andere Richtung scheinen die politischen Absichten bei der in Deutschland seit 1985 zuerst heimlich als Futtermitteljodierung und später in den neunziger Jahren als offizielle „generelle Jodsalzprophylaxe“ praktizierten Lebens- und Futtermitteljodierung zu gehen, glaubt man den Entschließungen z.B. des 54. Bayerischen Ärztetages 2001.

2001 befaßten sich Bayerische Ärztekammern mit dem logistischen Problem der Verteilung von Jodtabletten im Ernstfall und reflektierten darüber, daß die damals bereits in Gang gesetzte „generelle Jodsalzprophylaxe“ eine geeignete Katastrophenschutzmaßnahme sei. Denn die Jodierung nahezu sämtlicher Lebens- und Futtermittel führe in der gesamten Bevölkerung zu einer permanent jodgesättigten Schilddrüse, wodurch das Problem, im Falle eines Reaktorunfalles nicht rechtzeitig die Jodtalbetten verteilen zu können, behoben sei.

Zitat
aus dem öffentlichen Vortrag „Krank durch Jod. Ein Jahrhundertirrtum?“ von Dagmar Braunschweig-Pauli M. A. vom 4. April 2002 in Berlin-Kreuzberg:

Aus den „Entschließungen“ des 54. Bayerischen Ärztetages, in: Bayerisches Ärzteblatt 11/2001, S. 543.
Zitat: „Jodversorgung der Bevölkerung. 1. Der 54. Bayerische Ärztetag appelliert an das Problembewußtsein der Ärzteschaft, für eine
Verbesserung der Jodversorgung vor allem bei Kindern und Schwangeren zu sorgen.

Abgesehen von der Prophylaxe von Jodmangelschäden (Struma, autonome Zellen) nimmt eine mit Jod ausreichend versorgte Schilddrüse weniger radioaktives Jod auf als eine „Jodmangel“- Schilddrüse.
2. Bevorratung und Verteilung von Jod im Katastrophenfall ist nicht gelöst.“
Zitat Ende.

Dieser 2001 von der Bayerischen Ärztekammer vorgebrachte Aspekt, daß eine generell - durch die sogenannte „Jodsalzprophylaxe“ in Form von zusätzlichem Jod in Lebens- und Futtermitteln – jodgesättigte Schilddrüse eine gute Vorsorge im Falle eines Super-Gaus wäre, mag oberflächlich gesehen vielleicht überzeugen, hat aber folgenden Haken: bei dieser tatsächlich seit inzwischen über drei Jahrzehnten praktizierten Jodprophylaxe werden diejenigen Menschen, die aufgrund der genannten Kontraindikationen bei einem Reaktorunfall gemäß den Richtlinien des Katastrophenschutzes NICHT an der Jodblockade der Schilddrüse durch Einnahme von Jodtabletten teilnehmen dürfen, völlig ignoriert, als gäbe es diese Menschen gar nicht. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Damit steht die Jodprophylaxe im Widerspruch zu den Bedingungen des Katastrophenschutzes, in denen der unbedingte Schutz dieser Jodrisikomenschen gefordert wird. Statt dessen werden Jodsensible und Schilddrüsenkranke durch die gesundheitspolitisch umgesetzte Jodsalzprophylaxe der permanenten hohen Jodexposition ungeschützt ausgeliefert und dem hohen Risiko einer meist tödlichen thyreotoxischen Krise und des ebenfalls meist tödlichenanaphylaktischen Schockes schutzlos ausgesetzt.

Mit der sogenannten „generellen Jodsalzprophylaxe“ hat man sich in den letzten drei Jahrzehnten - und ein Ende ist bis jetzt noch nicht abzusehen - offensichtlich für eine dauerhafte Katastrophenmaßnahme mit Jod und - im Widerspruch zu den offiziellen Bedingungen des Katastrophenschutzes - für die fortgesetzten gravierenderen Jodschäden für die Bevölkerung entschieden.

Nun hat diese Zwangsjodierung seit 1985 – gemäß der Entschließungen des 54. Bayerischen Ärztetages – tatsächlich flächendeckend zu einer dauerhaften Jodsättigung nahezu sämtlicher bundesdeutschen Schilddrüsen geführt, was nach Ansicht der Bayerischen Mediziner offensichtlich als ausreichender Katastrophenschutz angesehen wurde.
Gleichzeitig bedeutet das, daß wir Bundesbürger im durch- und hochjodierten Deutschland praktisch dauerhaft eine für den Katastrophenfall prophylaktisch jodgesättigte Schilddrüse besitzen und deshalb keine weiteren zusätzlichen Jodmengen, z.B. in Form der aktuell neu bestellten 190 Millionen Jodtabletten, mehr zu uns nehmen müssen. Jodgesättigte Schilddrüsen nehmen kein weiteres Jod mehr auf.

Deshalb stellen sich im Zusammenhang mit der aktuellen Bestellung der 190 Millionen Jodtabletten u.a. zwei Fragen:

1. Warum und wozu wurde dieser Vorrat von 190 Millionen Jodtabletten geordert, wenn wir hochjodierten Bundesbürger die Jodtabletten wegen der bereits bestehenden Jodsättigung unserer Schilddrüsen doch gar nicht brauchen?

2. Wer bezahlt diese 190 Millionen Jodtabletten, die von den jodgesättigten deutschen Bürgern nicht gebraucht werden?



Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/jod-tabletten-101.html, 22.08.2019
Ärztekammer Niedersachen (Hrsg.), Red.: Bose, H. Eberhard, Dr. med: Wegweiser Medizinische Katastrophenhilfe: Schwerpunkt ärztl. Hilfe bei Großunfällen u. zivilen Katastrophen; Handbuch für d. Katastrophenschutz, 1982, S. 161 ff..
arznei-telegramm 2/91, S. 19.
Bayerisches Ärzteblatt 11/2001, S. 538.
Pfannenstiel, Peter/ Schwarz, Werner: Nichts Gutes im Schilde. Stuttgart 1994.
Braunschweig-Pauli, Dagmar: Öffentlicher Vortrag „Krank durch Jod. Ein Jahrhundertirrtum?“, Berlin, Forum Berufsbildung e.V., am 4. April 2002.
Braunschweig-Pauli, Dagmar: „Die Jod-Lüge. Das Märchen vom gesunden Jod. Das Lexikon der Jodkrankheiten“, Herbig-Verlag München, 6. Aufl.2013.

Copyright by Dagmar Braunschweig-Pauli M. A., Sprecherin Deutsche SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow – und Hyperthyreosekranken, Trier, 27. 08. 2019.

Brauchen wir 190 Millionen Jodtabletten?

Dagmar Braunschweig-Pauli M. A., Trier, den 27. August 2019


Brauchen wir 190 Millionen Jod-Tabletten? – Jodsalzprophylaxe als Jodsättigung für Super-Gau gedacht?


Anfang August 2019 hat das Bundesamt für Strahlenschutz rund 190 Millionen Jodtabletten bestellt.“ (Zitat aus der Online-Wiedergabe der Tagesschau unter: https://www.tagesschau.de/inland/jod-tabletten-101.html, 22.08.2019)

Mit diesem gigantischen Jodtablettenvorrat für „ 8,4 Millionen Euro netto“ (Zitat aus s. o.) will man im Katastrophenfall, also im Falle eines Super-Gaus, die Bevölkerung – mit Ausnahme der über 45-Jährigen - ausreichend mit Jod-Tabletten für eine sogenannte „Jodblockade“ der Schilddrüse versorgen können.

Viele Jodgeschädigte, Menschen mit jodinduzierten Autoimmunerkrankungen Morbus Basedow und Morbus Hashimoto, Überfunktion, Heißen Knoten, Jodallergie und Jodkrebs haben deshalb bei der Deutschen SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow- und Hyperthyreosekranken nachgefragt, was es mit diesem Jodtablettenkauf auf sich habe und wie sie sich im Falle eines Super-Gaus verhalten könnten.

Hochdosierte Jod-Tabletten werden spätestens seit in Kraft treten der Atomenergie als sichere Schutzmaßnahme gegen die atomare Strahlung bei einem Super-Gau angesehen.

Das stimmt so aber nicht. „Jodtabletten schützen nicht gegen Strahlung von außerhalb des Körpers oder gegen andere radioaktive Stoffe als Jod“. (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz“, a. a..O., S. 159) Und „Gegen die Aufnahme anderer radioaktiver Stoffe in den Körper oder gegen Bestrahlung des Körpers von außen schützen Jodtabletten nicht.“ (a.a.O., S. 156)

Jod-Tabletten sollen also nur dieses eine Organ, die Schilddrüse, vor der Aufnahme von radioaktivem Jod zum Teil – nicht ganz! - schützen, um eine spätere Entstehung von Schilddrüsenkrebs vielleicht zu verhindern. Der übrige Körper bleibt nach wie vor ungeschützt gegenüber radioaktivenm Jod und andere radioaktive Stoffe, die bei einem Super-Gau ebenfalls frei werden. Das heißt im Klartext: Durch die hohe atomare Strahlung nach einem Super-Gau wird der gesamte Körper verstrahlt, was unweigerlich zum Tode führen muß, egal, ob die Schilddrüse durch eine hohe Jodaufnahme vor der Strahlung mit radioaktivem Jod geschützt ist oder nicht.
Als Lebensrettungsmaßnahme ist die sogenannte „Jodblockade“ bei einem Reaktorunfall nach Stand der Forschung bis jetzt eher ungeeignet. Nach Aussagen von Wissenschaftlern - s. u.a. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für den Katastrophenschutz“ – ist die Jodblockade nur eingeschränkt wirksam. Ein vollständiger Strahlenschutz wird von der Jodblockade nicht geleistet. Nach einer Verstrahlung stirbt man, mit Jodblockade stirbt man auch, aber mit einer vielleicht weitgehend vor radioaktivem Jod geschützten Schilddrüse.
Es gibt bis jetzt keinen wissenschaftlichen Nachweis für einen gesicherten Schutz vor radioaktiver Strahlung und der Freisetzung giftiger Substanzen durch einen Super-Gau.

Abgesehen davon, daß die Jodblockade der Schilddrüse mit Jod-Tabletten in dem Umfang, wie sie von der Bevölkerung meist wahrgenommen wird eher zwecklos ist, ist sie aus gesundheitlichen Gründen auch nicht für jeden Bürger geeignet. Menschen mit bekannter oder unbekannter Jodallergie und Schilddrüsenerkrankungen, bei denen es durch eine hohe Jodzufuhr zu einem krisenhaften Zustand, genannt „thyreotoxische Krise“, kommen kann, wie z.B. bei Überfunktion, Morbus Basedow, sogenannten Heißen Knoten und latenter Hyperthyreose, dürfen keinesfalls an der Jodblockade teilnehmen. Das Risiko, durch die große Jodmenge infolge der Jodblockade in die tödlich verlaufende thyreotoxische Krise zu fallen ist größer als das eventuelle Strahlenrisiko.
Laut Prof. Dr. Peter Pfannenstiel verläuft die thyreotoxische Krise zu über 50 % tödlich. Pfannenstiel schätzt die Dunkelziffer der tödlich verlaufenden thyreotoxischen Krisen als hoch ein.

Unabhängig von den bereits genannten krankheitsbedingten Hindernissen für die Einnahme von hochdosierten Jod-Tabletten im Katastrophenfall sind – laut Handbuch für d. Katastrophenschutz - alle Menschen über 45 ebenfalls von der Katastrophenmaßnahme durch Jodtabletten ausgeschlossen. Auch hier wird oft als Grund

dafür die größere Gefahr einer jodinduzierten tödlichen Krise bei Menschen über 45 angegeben, da viele von ihnen an einer latenten Überfunktion der Schilddrüse leiden. Zwar ist diese oft noch nicht als manifeste Krankheit diagnostiziert worden, aber das Risiko einer tödlich verlaufenden thyreotoxischen Krise auch bei latenter Hyperthyreose ist den Verantwortlichen für den Katastrophenschutz zu groß.

Die schwerwiegenden Kontraindikationen, Unverträglichkeiten und Risiken der Jodblockade der Schilddrüse, die unbedingt beachtet werden müssen, und die die Einnahme von Jod-Tabletten im Falle eines Super-Gaus absolut verbieten, werden hier aus dem erwähnten „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, Hrsg. Ärztekammer Niedersachsen, Berliner Allee 20, 3000 Hannover 1, (a.a.O., S.164) wie folgt zitiert:

Zitat: Unverträglichkeiten und Risiken:
Überempfindlichkeit gegenüber Jod: Personen mit echter Jodüberempfindlichkeit dürfen keine Jodtabletten einnehmen.“ (s. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 156)
Zitat: „Echte Kontraindikationen sind: „a) Dermatitis herpetiformis Duhring (selten; durch Jod pemphigusartiges Bild verstärkt, Magen-Darm-Erscheinungen treten häufig auf),
b) echte Jodallergie (…)
c) große Strumen mit beträchtlicher Einengung der Trachea;
d) unbehandelte autonome Adenome der Schilddrüse.

Die Patienten mit den beiden erstgenannten Krankheitsbildern sind im allgemeinen den betreffenden Hausärzten bekannt. Sie sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich nicht an der Jodprophylaxe beteiligen dürfen.
Da das Ausmaß der Reaktionen im Einzelfall nicht vorhersehbar ist, muß das langfristige und unbestimmte Risiko einer Strahleneinwirkung auf die Schilddrüse als geringer eingeschätzt werden als die sofortigen und möglicherweisen schweren Folgen einer allergischen Reaktion.
Durch die Gabe von hohen Jodmengen kann eine Größenzunahme der Schilddrüse verursacht werden, die eine bereits bestehende höhergradige Trachealstenose“ (=
„Einengung der Luftröhre“, s. Pschyrembel, 259. Aufl., 2002, S. 1675, Anm. d. Aut.) “verschlimmert.
Bei unbehandelten autonomen Adenomen besteht die Gefahr der Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, schlimmstenfalls der Provozierung einer thyreotoxischen Krise“ (= krisenhafte Situation, über 50% tödl. Verlauf, Anm. d. Aut.). „Daher sollten auch diese Personen keine Jodtabletten einnehmen. (…)(s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 164) Zitat Ende.

Jodblockade bei Schwangeren und Stillenden

Zitat:
„Embryonen nehmen frühestens ab der 13. Schwangerschaftswoche Jod in der Schilddrüse auf. Ab dem 6. Bis 9. Monat ist die Jodspeicherung in der fetalen Schilddrüse erheblich. Damit ist auch die Notwendigkeit einer Blockade der Schilddrüse des älteren Feten gegeben … Die empfindliche embryonale Schilddrüse kann gelegentlich einen Jodkropf mit Hypothyreose bilden. …“. (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 161) Zitat Ende.

Zitat: „ Jodallergie:
In seltenen Fällen kann eine nicht bekannte Jodallergie bei Einnahme von Jodtabletten erstmals manifest werden. Dabei können allgemeine allergische Erscheinungen und zusätzlich infolge vermehrter Schleimhautsekretionen Jucken
und Brennen in den Augen, „Jodschnupfen“, Reizhusten, Durchfälle, Kopfschmerzen infolge Sinusitis u. ä. Symptome auftreten. Besonders bei vorbestehender Dermatitis herpetiformis Duhring sind lebensbedrohliche Reaktionen möglich, …“ (s. „Wegweiser. Medizinische Katastrophenhilfe. Handbuch für d. Katastrophenschutz, a.a.O., S. 166) Zitat Ende.

Auch im „arznei-telegramm“ 2/91 wird nachdrücklich vor den, Zitat „Risiken der breit gestreuten hochdosierten Jodprophylaxe in Katastrophenfällen“ gewarnt. Sie seien „kaum überschaubar, da Erfahrungen fehlen. Es muß gewährleistet sein, daß Personen mit Jodüberempfindlichkeit oder Schilddrüsenerkrankungen sowie Dermatitis herpetiformis DUHRING von der Hochdosisprophylaxe ausgeschlossen werden.“ Zitat Ende.

Das Fazit dieses arznei-telegramms ist, Zitat: „Durch rechtzeitige Blockade der Schilddrüse mit Jodid läßt sich bei Reaktorunfällen die Einlagerung von Radiojod in die Schilddrüse vermindern. …Welche Bedeutung

in einer solchen Situation dem isolierten Schutz der Schilddrüse zukommt, läßt sich schwer abschätzen. Die hochdosierte Jodprophylaxe kann zwar die Schilddrüse vor Strahlenschäden bewahren, ist aber kein universell wirksamer Strahlenschutz. Im Ernstfall kann die Prophylaxe ein trügerisches Sicherheitsgefühl hervorrufen.“ Zitat Ende

Jodierung der Leben- und Futtermittel - Dauer- Katastrophenschutzmaßnahme?

In eine ganz andere Richtung scheinen die politischen Absichten bei der in Deutschland seit 1985 zuerst heimlich als Futtermitteljodierung und später in den neunziger Jahren als offizielle „generelle Jodsalzprophylaxe“ praktizierten Lebens- und Futtermitteljodierung zu gehen, glaubt man den Entschließungen z.B. des 54. Bayerischen Ärztetages 2001.

2001 befaßten sich Bayerische Ärztekammern mit dem logistischen Problem der Verteilung von Jodtabletten im Ernstfall und reflektierten darüber, daß die damals bereits in Gang gesetzte „generelle Jodsalzprophylaxe“ eine geeignete Katastrophenschutzmaßnahme sei. Denn die Jodierung nahezu sämtlicher Lebens- und Futtermittel führe in der gesamten Bevölkerung zu einer permanent jodgesättigten Schilddrüse, wodurch das Problem, im Falle eines Reaktorunfalles nicht rechtzeitig die Jodtalbetten verteilen zu können, behoben sei.

Zitat
aus dem öffentlichen Vortrag „Krank durch Jod. Ein Jahrhundertirrtum?“ von Dagmar Braunschweig-Pauli M. A. vom 4. April 2002 in Berlin-Kreuzberg:

Aus den „Entschließungen“ des 54. Bayerischen Ärztetages, in: Bayerisches Ärzteblatt 11/2001, S. 543.
Zitat: „Jodversorgung der Bevölkerung. 1. Der 54. Bayerische Ärztetag appelliert an das Problembewußtsein der Ärzteschaft, für eine
Verbesserung der Jodversorgung vor allem bei Kindern und Schwangeren zu sorgen.

Abgesehen von der Prophylaxe von Jodmangelschäden (Struma, autonome Zellen) nimmt eine mit Jod ausreichend versorgte Schilddrüse weniger radioaktives Jod auf als eine „Jodmangel“- Schilddrüse.
2. Bevorratung und Verteilung von Jod im Katastrophenfall ist nicht gelöst.“
Zitat Ende.

Dieser 2001 von der Bayerischen Ärztekammer vorgebrachte Aspekt, daß eine generell - durch die sogenannte „Jodsalzprophylaxe“ in Form von zusätzlichem Jod in Lebens- und Futtermitteln – jodgesättigte Schilddrüse eine gute Vorsorge im Falle eines Super-Gaus wäre, mag oberflächlich gesehen vielleicht überzeugen, hat aber folgenden Haken: bei dieser tatsächlich seit inzwischen über drei Jahrzehnten praktizierten Jodprophylaxe werden diejenigen Menschen, die aufgrund der genannten Kontraindikationen bei einem Reaktorunfall gemäß den Richtlinien des Katastrophenschutzes NICHT an der Jodblockade der Schilddrüse durch Einnahme von Jodtabletten teilnehmen dürfen, völlig ignoriert, als gäbe es diese Menschen gar nicht. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Damit steht die Jodprophylaxe im Widerspruch zu den Bedingungen des Katastrophenschutzes, in denen der unbedingte Schutz dieser Jodrisikomenschen gefordert wird. Statt dessen werden Jodsensible und Schilddrüsenkranke durch die gesundheitspolitisch umgesetzte Jodsalzprophylaxe der permanenten hohen Jodexposition ungeschützt ausgeliefert und dem hohen Risiko einer meist tödlichen thyreotoxischen Krise und des ebenfalls meist tödlichenanaphylaktischen Schockes schutzlos ausgesetzt.

Mit der sogenannten „generellen Jodsalzprophylaxe“ hat man sich in den letzten drei Jahrzehnten - und ein Ende ist bis jetzt noch nicht abzusehen - offensichtlich für eine dauerhafte Katastrophenmaßnahme mit Jod und - im Widerspruch zu den offiziellen Bedingungen des Katastrophenschutzes - für die fortgesetzten gravierenderen Jodschäden für die Bevölkerung entschieden.

Nun hat diese Zwangsjodierung seit 1985 – gemäß der Entschließungen des 54. Bayerischen Ärztetages – tatsächlich flächendeckend zu einer dauerhaften Jodsättigung nahezu sämtlicher bundesdeutschen Schilddrüsen geführt, was nach Ansicht der Bayerischen Mediziner offensichtlich als ausreichender Katastrophenschutz angesehen wurde.
Gleichzeitig bedeutet das, daß wir Bundesbürger im durch- und hochjodierten Deutschland praktisch dauerhaft eine für den Katastrophenfall prophylaktisch jodgesättigte Schilddrüse besitzen und deshalb keine weiteren zusätzlichen Jodmengen, z.B. in Form der aktuell neu bestellten 190 Millionen Jodtabletten, mehr zu uns nehmen müssen. Jodgesättigte Schilddrüsen nehmen kein weiteres Jod mehr auf.

Deshalb stellen sich im Zusammenhang mit der aktuellen Bestellung der 190 Millionen Jodtabletten u.a. zwei Fragen:

1. Warum und wozu wurde dieser Vorrat von 190 Millionen Jodtabletten geordert, wenn wir hochjodierten Bundesbürger die Jodtabletten wegen der bereits bestehenden Jodsättigung unserer Schilddrüsen doch gar nicht brauchen?

2. Wer bezahlt diese 190 Millionen Jodtabletten, die von den jodgesättigten deutschen Bürgern nicht gebraucht werden?



Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/jod-tabletten-101.html, 22.08.2019
Ärztekammer Niedersachen (Hrsg.), Red.: Bose, H. Eberhard, Dr. med: Wegweiser Medizinische Katastrophenhilfe: Schwerpunkt ärztl. Hilfe bei Großunfällen u. zivilen Katastrophen; Handbuch für d. Katastrophenschutz, 1982, S. 161 ff..
arznei-telegramm 2/91, S. 19.
Bayerisches Ärzteblatt 11/2001, S. 538.
Pfannenstiel, Peter/ Schwarz, Werner: Nichts Gutes im Schilde. Stuttgart 1994.
Braunschweig-Pauli, Dagmar: Öffentlicher Vortrag „Krank durch Jod. Ein Jahrhundertirrtum?“, Berlin, Forum Berufsbildung e.V., am 4. April 2002.
Braunschweig-Pauli, Dagmar: „Die Jod-Lüge. Das Märchen vom gesunden Jod. Das Lexikon der Jodkrankheiten“, Herbig-Verlag München, 6. Aufl.2013.

Copyright by Dagmar Braunschweig-Pauli M. A., Sprecherin Deutsche SHG der Jodallergiker, Morbus Basedow – und Hyperthyreosekranken, Trier, 27. 08. 2019.